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Notgroschen, der unterschätzte Rendite-Meister

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Notgroschen, der unterschätzte Rendite-Meister

Seinen Notgroschen weiß man erst zu schätzen, wenn man ihn braucht, aber nicht hat. Oft wird beim privaten Vermögensaufbau und dem Weg in die finanzielle Freiheit der Notgroschen und seine Rolle unterschätzt. Man mag sagen, Geld soll für einen arbeiten, und ein Notgroschen wirft bei den derzeitigen Mindest-Tagesgeldzinsen nichts ab, zumal sie auch noch den Freibetrag für Negativzinsen aufzehren. Bei richtiger Verwendung des Notgroschens kann eine beträchtliche Rendite erzielt werden.

Was ist ein Notgroschen?

Begriffe wie Notgroschen, eiserne oder stille Reserve, Rücklage, Polster sind zwar verschieden bedeuten aber das Gleiche: Geld für unvorhergesehene finanzielle Notfälle. Ein Notgroschen hat nur den einen Zweck, Geld für finanzielle Notsituationen bereitzustellen. Einige Beispiele sind ein plötzlicher Jobverlust, Krankheit,  Reparaturkosten für das Auto oder einen neuen Kühlschrank zu kaufen. Im Grunde ist der Notgroschen eine Art Versicherung, die einspringt, wenn das monatliche Einkommen oder andere Ersparnisse, wie z. B. die Urlaubskasse, den Notfall nicht decken können.

Warum einen Notgroschen zur Seite legen?

Finanzielle Notlagen mit der Gewissheit abfedern zu können, verschafft psychische Entlastung. Dies kann sich positiv auf die Investitionsdisziplin auswirken. Zudem erspart man sich teure Dispokredite und schützt seine Investitionen vor einem ungeplanten und möglicherweise verlustbringenden Verkauf.

Schutz vor horrenden Dispokrediten

Abhängig von persönlicher Bonität und der Höhe regelmäßiger Kontoeinzahlungen, räumen Banken ihren Kunden die Möglichkeit ihr Girokonto mittels Dispokredit (Dispositionskredit) zu überziehen. Für diese unkomplizierte Kreditform wurde 2020 durchschnittlich ein Dispozins von 9,61 % (9,68 % 2019) im Jahr verlangt. Für Kunden mit einer schlechten Bonität verlangen Banken knapp unter 14 %.

Nutzt man statt des Dispokredits den Notgroschen, ist es wie eine risikolose Kapitalanlage in Höhe der eingesparten Kreditzinsen.

Schützt Investitionen vor einem ungeplanten Verkauf

Einen kühlen Kopf zu bewahren, wenn das eigene Portfolio über 30 % an Wert einbüßt, ist leichter gesagt als getan. Das hängt damit zusammen, dass sich die Anleger oftmals von negativen Nachrichten erheblich beeinflussen lassen. Langfristig denkende Anleger wissen, dass die Börsenwerte stark schwanken können und deren Verlauf nicht genau vorhersagbar ist. Ihr langfristiger Anlagehorizont gibt ihnen genügend Zeit, die Werterholung der Aktienmärkte abzuwarten.

Am 16. März 2020 verlor der S&P 500 an einem einzigen Tag 12 % seines Wertes. Seinen Tiefststand erreichte er am 23. März 2020. Im Vergleich zu seinem Höchststand vom 19. Februar 2020 verlor er etwa 34 %. Doch schon im August 2020 hatte sich der Kurs wieder bis zum ursprünglichen Höchststandniveau erholt. Nach exakt einem Jahr stieg sein Wert um 76 %.

Wenn man gezwungen ist, seine Anlagen inmitten einer Wirtschaftskrise oder eines Börsenabschwungs zu verkaufen, kann dies zu einem Vermögensverlust führen. Ein ausreichender Notgroschen ist daher eine der entscheidenden Voraussetzungen für langfristig erfolgreiche Anleger.

Wofür sollte der Notgroschen verwendet werden?

Ein Notgroschen sollte nur für tatsächliche, unvorhergesehene finanzielle Notlagen verwendet werden. Was eine finanzielle Notlage ist, muss jeder anhand seiner Gesamtsituation beurteilen. Eine entscheidende Rolle spielt dabei, ob das Ereignis dazu führen würde, dass man sein Einkommen nicht mehr in vollem Umfang erwirtschaften kann.

Ein Beispiel: Der Computer eines selbstständigen Webdesigners geht kaputt. Wenn er den Computer nicht repariert, kann er das Kundenprojekt nicht rechtzeitig abschließen und muss mit einer negativen Bewertung rechnen. Dies würde sich auf seine künftigen Verdienstmöglichkeiten nachteilig auswirken. Wenn hingegen sein iPad, mit dem er jeden Abend Serien schaut, zerbricht, handelt es sich wahrscheinlich nicht um einen echten finanziellen Notfall.

Entscheidend ist, mit sich im Einklang zu sein. Denn es geht darum, die Auswirkungen einer unvorhergesehenen finanziellen Belastung abzufedern.
Wenn man dringend in den Urlaub fahren muss, um den Kopf freizubekommen und seine Batterien aufzuladen, damit man nicht ausbrennt, ist das eine wichtige Investition in die eigene Gesundheit. Ob das gleiche Ergebnis mit einer neuen Spielkonsole erreicht werden kann, bleibt jedem selbst überlassen.

Wie hoch sollte ein Notgroschen sein?

Als grober Richtwert sollte man von dem Notgroschen mindestens 3 und im besten Fall 6 Monate leben können. Der Betrag ist nicht in Stein gemeißelt und sollte je nach Entwicklung der durchschnittlichen Monatsausgaben, persönlicher Situation, Zukunftsplänen hin-und-wieder angepasst werden.

Zur Ermittlung der Höhe können ferner die folgenden Faktoren herangezogen werden.

  • Monatliche Ausgaben
    • Je höher die finanziellen Aufwendungen, desto höher sollte die Reserve sein. Als Faustregel gilt, dass man mindestens drei Monate ohne Einkommen überbrücken können sollten.
  • Familienstand
    • Man möchte seinen Kindern eine gute und schöne Kindheit ermöglichen und ihnen ermöglichen, sich zu entfalten. Deshalb sollte die Rücklage den Bedürfnissen jedes einzelnen Kindes Rechnung tragen.
  • Jobsicherheit
    • Beamte dürften sich weniger Sorgen um ihr regelmäßiges Einkommen machen als z. B. Selbstständige. Gerade, wer keinen Anspruch auf Arbeitslosengeld hat, sollte ein höheres Polster aufbauen, um für den Ernstfall gerüstet zu sein.
  • Immobilienbesitzer
    • Immobilien gehören ebenfalls zu Assetklassen wie Aktien oder Anleihen. Um den Wert der Immobilie nicht durch Vernachlässigung zu mindern, sollten pauschale Instandhaltungskosten ebenfalls in die Höhe des Notgroschens eingerechnet werden.
  • Risikobereitschaft
    • Wer das Risiko scheut, sollte einen Notgroschen für mindestens 6 Monate ansparen. Auch hier muss jeder seine eigene Situation beurteilen und die Risiken abwägen.

Persönlich habe einen Notgroschen von etwas weniger als 3 Nettoeinkommen auf einem separaten Bankkonto geparkt. Mit dem Betrag bin ich mir sicher, dass ich mindestens drei Monate meine Ausgaben decken könnte.

Wo sollte ich den Notgroschen sparen?

Zwei grundlegende Anforderungen sollten beim Sparen eines Notgroschens erfüllt sein: Der gesamte Betrag sollte schnell zur Verfügung stehen und gleichzeitig nicht dazu verleiten, diesen zweckentfremdet auszugeben.

Tagesgeld: schneller Zugriff aufs Geld

Im Ernstfall sollte es schnell und unkompliziert möglich sein, auf den gesamten Notgroschen zugegriffen zu können. Den Betrag anzulegen, scheidet aufgrund unbekannter Anlagedauer aus. Am geeignetsten sind hierfür kostenlose Tagesgeldkonten mit hohen Freibeträgen bis zur Erhebung von Negativ- oder Strafzinsen (oder auch Verwahr­entgelt).

Die Freibeträge reichen von 5.000 bis 100.000 Euro, bis die Verwahrentgelt erhoben wird. Der eingeräumte Freibetrag hängt allerdings auch davon ab, ob man bereits ein Bestandskunde oder ein Neukunde der Bank ist.

Vorsicht ist auch bei ausländischen Banken geboten. Diese bieten zwar höhere Freibeträge an, aber die europäische Einlagensicherung gilt nur bis zu 100.000 Euro pro Person und Konto. Ein Vergleich der Tagesgeldkonditionen ist dringend empfehlen.

Separates Konto: schützt vor Impulskäufen

Ein schneller Zugriff auf das Geld ist ein zweischneidiges Schwert. Auf den Notgroschen sollte man nur in echten finanziellen Notlagen zugreifen können – für alle anderen Zwecke ist er tabu.

In der Realität ist es allerdings viel schwieriger als gesagt, wenn einem das Geld beim Shoppen in der Tasche brennt. Daher ist es wichtig, den Notgroschen vorwiegend vor Impulskäufen zu schützen.

Um Impulskäufe zu bändigen, bietet sich ein Tagesgeldkonto bei einer separaten Bank an. Wenn die Karte und die Kartendaten nicht sofort verfügbar sind, überlegt man sich den Kauf vielleicht zweimal.

Fazit

Ein Notgroschen ist weder ein Rendite-Killer noch eine Belastung für die Vermögensbildung. Im Gegenteil: Durch die Vermeidung von teuren Dispokrediten wird der Notgroschen zu einem wahren Rendite-Meister.

Ohne eine Absicherung gegen unvorhersehbare finanzielle Notlagen, die einem auch in wirtschaftlich schwierigen Zeiten mentale Entlastung verschafft, ist ein erfolgreicher langfristiger Vermögensaufbau nur schwer vorstellbar.

 

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Alexander Shkolnik

Alexander Shkolnik

Alexander digitalisiert seit über 8 Jahren Finanz- und Steuerprozesse bei führenden Wirtschafts- und Steuerberatungsunternehmen. Seine Leidenschaft galt schon in seiner Jugend der Wirtschaft und IT. Nach seinem Wirtschaftsabitur studierte Alexander Volkswirtschaft, Unternehmenssteuern und Wirtschaftsinformatik.

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